…war die Klasse 3BP während der Entrepreneurship-Woche. Wir entdeckten dabei, welche wundervollen Eigenschaften hinter dieser äußerst nachhaltigen Pflanze stecken, wenn man mit Drogen „absolut nichts am Hut“ hat. Wir untersuchten alte und neue Nutzungsmöglichkeiten, erkundeten innovative Produktions- und Handelsunternehmen und ihre Marktchancen, verkosteten Hanf-Lebensmittel.

Die Quintessenz unserer Erkenntnisse haben wir zu einer Ausstellung zusammengestellt, die ihr an unserer Schule (Gang im 3. Stock West) besichtigen könnt.

Hanf ist nicht vorrangig ein „Rauschkraut“, sondern eine uralte, wertvolle und vielseitig einsetzbare Pflanze, die sehr anspruchslos ist, schnell wächst (50-mal schneller als Holz), deren Anbau sogar die Bodenqualität verbessert und auch die Umwelt nicht durch Herbizide und Pestizide belastet, weil ihr Harz einen natürlichen Schutz gegen Schädlinge darstellt.

Auch von unseren Südtiroler Bauern wurde sie jahrhundertelang angebaut, vielseitig verwendet und hochgeschätzt, bis sie - wie fast überall in Europa und Amerika - wegen ihres „Drogenpotentials“ in Verruf kam und fast gänzlich verboten wurde.

Heute liegt sie – völlig abseits der Debatte um die Legalisierung sogenannter „leichter Drogen“ – als Nutzpflanze wieder voll im Trend, denn sie kann neben der medizinischen Verwendung in den Bereichen Tuche und Bekleidung, Seile, Papier, Ernährung, Bauwesen, Kosmetik, Einstreu usw. genutzt werden, und zwar von „Kopf bis Fuß“, es entsteht kein Abfall; der Anbau und die Produktion ebenso wie die Entsorgung „verbrauchter“ Produkte können in höchstem Maße umweltgerecht erfolgen, was dem Ökoprinzip des „craddle to craddle“ entspricht. Zudem fördern Anbau, Produktion und Vertrieb im eigenen Land regionale Wirtschaftskreisläufe – auch das ein nachhaltiges Wirtschaftsprinzip.

 1Produktevonecopassion

 „eco passion-südtiroler hanfsystem/sistema canapa alto adige“, ein innovatives junges Unternehmen aus dem Pustertal, produziert und vertreibt verschiedene Hanfprodukte.

Wenige wissen, dass Nutzhanf sich von der Drogenpflanze durch einen äußerst geringen Anteil an THC – die „Drogensubstanz“ – unterscheidet; der gesetzlich zugelassene Anteil von 0,2-0,6 Prozent ist so gering, dass der Nutzhanf als Droge völlig ungeeignet ist. Doch die gesundheitlich wirksame Substanz ist für die meisten Bereiche auch nicht das THC, sondern andere Inhaltsstoffe, weshalb man Hanfprodukte als Pharmazeutikum wie als Lebensmittel (Mehlprodukte, Öl, Tee, Schokolade, Samen ecc.) legal kaufen kann...

… unter anderem in dem Hanffachgeschäft "Sea of Green" in Meran – zu dem uns auch ein Lehrausgang führte (siehe Foto).

 1SeaofGreenKlassenfoto

Die „höheren Semester“ an unserer Schule erkennen auf diesem Foto vielleicht unseren ehemaligen Schüler Felix Trojer neben seinem Bruder und dessen Frau, Inhaber von „Sea of Green“.

Markus Trojer und seine Frau erzählten uns praxisnah auch viel aus der Welt der Hanf-Medizin, über Krankheiten und betroffene Patienten, von Ärzten und Apotheken, denen die strengen gesetzlichen Auflagen zu schaffen machten - ganz abgesehen von den hohen Kosten, die die Patienten selbst zu tragen hätten, wenn sie diese natürlichen Arzneimittel statt der konventionellen Medikamente einnehmen wollten. Höchst interessant war dann für uns, dass kurz nach der Schilderung dieser Problematik durch die Trojer´s plötzlich ein gesetzlicher Durchbruch stattfand: Die Südtiroler Landesregierung hat kürzlich beschlossen, die Kosten für medizinischen Cannabiskonsum (natürlich nur auf Verschreibung eines Facharztes, Selbstanbau bleibt verboten) zu übernehmen. Damit hat das Thema Hanf brandaktuell Schlagzeilen gemacht, und der Hanf hat nun auch in Südtirol eine Chance erhalten, sich in den Augen der Öffentlichkeit langsam vom Nimbus des bloßen Rausch- und Suchtmittels zu befreien. Hier ein Link zur aktuellen Berichterstattung der „südtiroler tageszeitung“ vom 28.03.2018.

Bei einem Lehrausflug nach Eyrs im Vinschgau wandten wir uns anderen Aspekten des Nutzhanfs zu: Werner Schönthaler von der Firma Schönthaler OHG verdeutlichte uns zuerst mit einer Power Point-Präsentation allgemein die Dringlichkeit nachhaltiger Wirtschaftsweise und führte uns dann in die Welt des Nutzhanfs als Baustoff (Ziegel, Hanfbeton, Putze, Dämmmaterial) ein. Die Symbiose aus dem ältesten Bindemittel (Kalk) mit der ältesten Nutzpflanze (Hanf) der Menschheit ergibt laut Schönthaler DEN Baustoff einer ökologischen Zukunft dank bauphysikalisch vollkommener Eigenschaften (Näheres dazu könnt ihr bei der Ausstellung erfahren).

1BetriebsbesichtigungBaumaterialienSchoenthaler

Er erzählte uns auch von dem Netzwerk von einheimischen und nahen ausländischen Betrieben, die in Synergie die einzelnen Teile der Pflanze für verschiedene Zwecke nutzen, sodass kein Abfall entsteht.

Wie (neben traditionellen auch) innovative Baumaterialien aus Hanf in seinem Betrieb in den einzelnen Produktionsschritten hergestellt werden, zeigte er uns anschließend bei der Betriebsbesichtigung.

Danach fand unser Lehrausflug seine Fortsetzung mit einem Fußmarsch zur Schloss-Schenke Castellatsch, wo wir unsere Mittagspause verbrachten, bevor wir auf dem naheliegenden gleichnamigen Bauernhof Schönthalers ganz praktisch in die Handproduktion von Seilen, Tuchen und Hanfziegeln eingeführt wurden.

1BauernhofKuecheHanfmarendevorAbschied

Hier schöpft der Wirt, nach einer engagierten Rede zu unser aller Verantwortlichkeit für Nachhaltigkeit, Hanfnudeln mit Sahne-Gemüsesoße auf unsere Teller: Seeehr lecker!

Dazu gab es biologischen Apfelsaft und Brunnenwasser (das Hanf-Bier war leider alle…).

In seiner „Werkstatt“ zeigte uns Werner Schönthaler, wie die getrockneten Hanfstengel mit uralten Techniken und Geräten wiederholt gebrochen werden, wobei die „Schäben“, die holzigen Teile, sich von den Fasern trennen und zu Boden fallen; diese können mit Wasser und Kalk zu Hanfziegeln verarbeitetet werden, was er uns ebenfalls praktisch vorführte.

Die Fasern wiederum werden gekämmt, gesponnen und dienen dann zur Herstellung von Seilen und Tuchen.

Zum Schluss wurden wir noch in der Küche des Bauernhofes zur Verkostung verschiedener Hanf-Leckereien von eco passion eingeladen.

Werner Schönthaler mixte uns „Hanfmilch“, dazu gab es Brotaufstriche, Hanf-Schokolade, Schüttelbrot, Grissini, verschiedene Sorten von Hanfsamen zum Knabbern usw. – wir haben ordentlich zugeschlagen, auch wenn manches etwas ungewohnt schmeckte…

Von reichen Eindrücken erfüllt gingen wir dann zu Fuß zurück zum Zugbahnhof und machten uns am letzten Tag an die Vorbereitung der Hanf-Ausstellung, zu deren Besichtigung wir euch herzlich einladen – denn die Nutzpflanze Hanf verdient echt ihre „Wiedergeburt“.